Wie dieses Buch mein Leben verändert hat

Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend träume hast

Zum Jahresende möchte ich euch gerne ein Buch vorstellen, das mein Leben komplett verändert hat. Klingt übertrieben, ist aber wirklich so. Dieses Buch fand ich genau zum richtigen Zeitpunkt, als ich es am allermeisten gebraucht habe. Es hat mein Denken und die Art und Weise wie ich mich mit meiner Zukunft beschäftige grundsätzlich verändert. Und manchmal glaube ich, das Buch hat eher MICH gefunden 🙂

Ich möchte euch heute gerne „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ von Barbara Sher vorstellen und wie es so einen großen Einfluss auf mein Leben nehmen konnte.

Eine kleine Vorgeschichte

Wenn ich dieses Jahr Revue passieren lasse, dann kann ich wohl sagen, dass es in meinen jungen 26 Jahren wohl das schwerste Jahr meines Lebens war. Ich habe die meiste Zeit mit Lernen und Arbeiten verbracht und klar, das klingt für den ein oder anderen jetzt erst mal „normal“, aber wenn man irgendwann nur noch in einem Hamsterrad läuft und ständig nur noch am Schreibtisch sitzt oder bei der Arbeit ist, kaum Zeit für die „echten“ Dinge im Leben hat, dann ist das alles andere als normal. Auch wenn unsere Gesellschaft uns das vorlebt.

Mein Jahr begann leider nicht gut. Ich war eigentlich darauf eingestellt die Heilpraktiker-Prüfung in Angriff zu nehmen, stand wenige Wochen vor einem Ereignis, welches ich mir als schlimmstes und aufregendstes Ereignis meines Lebens ausgemalt hatte – ja, so sind Prüfungen halt nun mal. Ich mag sie nicht. Meine Lernerei musste, aufgrund eines Zufallsbefundes bei einem Arzt, unterbrochen werden und ich musste mich operieren lassen. Diese OP hatte für mich starke körperliche wie auch seelische Konsequenzen. Ich musste kurz vor der Prüfung mit dem Lernen pausieren, was natürlich alles andere als optimal war. Ich konnte mich zu nichts mehr aufraffen und war für einige Wochen krank geschrieben.

Viele wissen nicht, dass ich jahrelang mit Panikattacken und heftigen Angstzuständen zu kämpfen hatten, die sich vorwiegend auf Ereignisse in der Zukunft bezogen haben. Ich machte mir immer Sorgen, was passieren könnte, wenn ich die Prüfung nicht bestehe, wenn ich eventuell doch irgendwann einen anderen Beruf ausüben möchte und vor allem, warum ich mich nie nur auf ein Projekt oder einen Beruf fixieren kann. Ich konnte dann oftmals nicht alleine in die Stadt gehen, hatte Schwierigkeiten mit anderen Leuten Essen zu gehen, ohne dass ich total aufgeregt war und hatte ständig das Gefühl nicht mehr atmen zu können.

Meine Sorgen waren vor allem dieses Jahr am allergrößten und ich fiel in das besagte „Loch“, aus dem ich lange Zeit nicht mehr raus kam. Ich kannte diese Situation bereits, aber so heftig wie diesmal war es nie. Mein Verlobter und meine Familie haben mir in dieser Zeit unwahrscheinlich viel geholfen. Und ich habe mir selbst mehrmals täglich gesagt, dass ich mich ein einziges Mal an die Prüfung wagen werde und wenn ich es dann nicht schaffe, dann war´s das. Dann kann ich meinen Traumberuf eben nicht ausführen.

Die Leute, die mich kennen, wissen dass ich eine absolute Kämpferin bin und, ich zitiere: „scheiße diszipliniert“ bin. Und es war auch nicht das Lernen, was mich so verrückt machte, sondern eher der Druck vor diesem Prüfungstag, die ständige Angst, es nicht schaffen zu können und dann versagt zu haben. Ich hatte Glück und der Fleiß hat sich bezahlt gemacht – ich habe die schriftliche, wie auch die mündliche Prüfung auf Anhieb geschafft. Mir fiel ein Stein vom Herzen, aber ich musste mich lange, lange Zeit fassen, um mich an dieses neue Gefühl zu gewöhnen.

Wenn du denkst, du bist nicht „ok“ 

Nach meinem Abitur-Abschluss wusste ich nicht so recht, was ich mit meinem Leben anfangen soll und studierte erst mal ein Semester Lehramt. Schon nach wenigen Wochen war mir klar, dass dieser Beruf nicht zu mir passt. Mein Leben lang hatte ich mich für Ernährung interessiert, weil ich selbst mal Übergewichtig war und dann irgendwann durch´s Abnehmen in dieses Thema reingerutscht bin. Also informierte ich mich mit meinen jungen  19 Jahren über die Heilpraktiker-Ausbildung. Ich bin ja selbst Neurodermitikerin (mehr dazu) und fand es immer sehr beeindruckend, wie intensiv sich ein Heilpraktiker mit einer Krankheit auseinandersetzt und wollte anderen Menschen ebenfalls weiterhelfen. Doch das war im ersten Moment keine Lösung, weil man die Abschlussprüfung vor dem Gesundheitsamt erst mit Vollendung des 25. Lebensjahrs machen konnte. Also stand dieser Beruf erst mal nicht zur Option und ich bewarb mich auf einen Ausbildungsplatz im Büro als Industriekauffrau. Die Mitarbeiter und auch die Firma waren ganz toll, aber der Beruf langweilte mich zu Tode. So entschied ich mich, ein Ausbildungsjahr zu überspringen und brachte mir den Stoff vom zweiten Lehrjahr komplett selbst bei – und tadaaaa, ich war innerhalb von zwei anstatt drei Jahren mit einem sehr guten Abschluss fertig. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich sogar einen Preis bekam. Nebenbei machte ich abends die Ausbildung zur Ernährungsberaterin im Fernstudium und baute meinen Blog und Youtube Kanal auf.

Die zwei Jahre im Büro hab ich zu dieser Zeit immer als „Prüfung“ betrachtet, um im Anschluss dann wirklich zu sehen, ob mich der Beruf des Heilpraktikers immer noch so reizt oder nicht. Ich finde man ist mit 18 oder 19 ein so unfertiger Mensch. Die meisten wissen noch nicht, wo die Reise hingeht, welchen Beruf man wählt und ob man nicht erst mal die Welt entdecken möchte. Wie denn auch? Wir besuchen bis dahin nur die Schule, bekommen also nur theoretische Inhalte vermittelt und haben nie so richtig gearbeitet. So sehe ich das zumindest heute – und früher dachte ich immer, ich sei nicht okay, weil ich noch eine zweite Ausbildung gemacht habe und nicht von Anfang an wusste, was ich wirklich will. Das hat mir unglaublichen Druck gemacht. Nach meiner Ausbildung im Büro fing ich gleich mit der Heilpraktikerausbildung an und bewarb mich schließlich als Verkäuferin im Reformhaus, damit ich meine Ausbildung finanzieren kann, weil diese staatlich nicht anerkannt wird.

Wenn die Berufswahl zum Wahnsinn wird

So stand ich also im Sommer 2016 da und mir war bewusst, was ich in der Tasche hatte. Ich habe mit 26 schon extrem viel erreicht und habe dafür aber auch auf viele schöne Stunden mit der Familie und Freunden verzichten müssen. Ich machte mir Gedanken, wie ich nun weitermachen würde. Immerhin möchte ich bald meine Praxis eröffnen und habe noch zwei andere Jobs – das Reformhaus und meinen Youtube-Kanal und Blog. Der Gedanke, dass ich mich bald auf einen Beruf fixieren müsste, weil das eben so „normal“ ist, hat mich fertig gemacht. Ich hänge an all meinen „Projekten“ und will davon nichts aufgeben. Und dann fiel mir DIESES Buch in die Hand.

Es war ein ganz normaler Tag am Schreibtisch. Ich war gerade dabei ein neues Video für meinen Kanal vorzubereiten und wollte nebenbei ein bisschen Musik auf Spotify hören, bis ich auf die Rubrik „Hörbücher“ gestoßen bin und mir dieses Buch ins Auge gesprungen ist. Also lies ich es nebenher laufen und als ich merkte, dass der Inhalt gigantisch ist, zückte ich mein Notizbuch und notierte mir alles was wichtig war. Innerhalb von drei Stunden hatte ich dieses Buch durchgehört und es war spannender als jeder Krimi. Ja, dieses Buch hat mein Leben verändert.

Du bist ok, so wie du bist

Zum ersten Mal erfuhr ich, was eine „Scanner-Persönlichkeit“ ist und dass ich genau dieser Persönlichkeit entspreche. Scanner sind Menschen mit unglaublich vielen Interessen, Fähigkeiten und haben eine stark ausgeprägte Kreativität. Diese vielen Interessen erschweren es dem Scanner natürlich enorm, sich auf einen Beruf oder ein Projekt zu fixieren, ohne nach dem nächsten zu liebäugeln. Und genau das findet die Mehrheit unserer Gesellschaft nicht in Ordnung. Deshalb glauben wir auch, dass ein Berufswechsel oder mehrere Berufe auf einmal auszuüben, nicht in Ordnung sei.

Ich bin ganz dafür, dass man seinen Beruf nicht ständig wechseln sollte, wenn man dadurch beispielsweise in finanzielle Schwierigkeiten gerät oder seinen Lebenslauf versaut. Und da gehöre ich wirklich zur alten Schule und muss sagen, dass ich das als Arbeitgeber im ersten Moment auch nicht so toll finde, wenn ein dreißigjähriger Mensch bereits zwanzig Mal seinen Job gewechselt hat und nie die Zähne zusammenbeißen möchte weiterzumachen. So etwas muss auf allen Ebenen unglaublich gut durchdacht sein.

Nun aber zurück zum Scanner. Der Scanner hat tausend Ideen für neue Projekte und würde diese am liebsten gleich alle auf einmal verwirklichen. Er kann eine Begeisterung für neue Ideen entwickeln, die herausstechend ist. Gleichzeitig kommt es bei der Scanner-Persönlichkeit aber auch oft vor, dass ein Projekt plötzlich uninteressant wird und er dieses wieder über Bord wirft. Also alles in allem ist ein Scanner eine Person, die man eher schlecht nur an einen Beruf binden kann und wenn dann nicht über lange Zeit. Für eine Scanner-Persönlichkeit wird dabei von Barabara Sher empfohlen, dass man sich unbedingt einen Job sucht, den man zumindest ganz okay findet und finanziell absichert. Daneben kann sich der Scanner anderen „Herz-Projekten“ widmen, die ihn erfüllen und seine Kreativität ausleben lassen.

Außerdem empfiehlt sie, dass man sich ein Scanner-Projektbuch zulegt, in dem man alle seine Ideen sofort notiert, um nicht ständig vom aktuellen Projekt abgelenkt zu werden. Dazu habe ich mir einfach ein Blanko-Notizbuch von Leuchturm besorgt und notiere chronologisch nach Rubriken meine Ideen so genau wie möglich, damit ich auch noch morgen oder nächsten Monat weiß, worum es mir dabei ging. So kann ich auch zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob ich mich diesem Gedanken nochmal widmen möchte, oder ob es eventuell uninteressant geworden ist. Der große Vorteil ist dabei, dass man nicht ständig von einer Idee zur anderen springt und bei der Sache bleibt. Nachdem ich mir meine Notiz gemacht habe, lege ich mein Projektbuch wieder bei Seite.

Der große „Aha-Effekt“

Während ich zuhörte, breitete sich in mir eine unglaubliche Ruhe aus. Ich hatte das erste Mal in meinem Leben das Gefühl wirklich in Ordnung zu sein und empfand es nicht mehr als „verrückt“, dass mich ein einziger Beruf wohl nie befriedigen wird. Und mir fiel wieder auf, wie abhängig ich mich doch vom Denken anderer gemacht hatte. Ich habe mich bei jeder neuen Idee, die ich hatte, über mich selbst geärgert und innerlich geschimpft. Und mit diesem Tag hatte ich ein ganz neues Selbstbewusstsein gewonnen. Zum einen schätze ich mein Ideenreichtum unwahrscheinlich und zum anderen bin ich froh darüber, dass ich mir selbst erlaube so viele Projekte nebeneinander ausführen zu dürfen, wie es mir eben Spaß macht. Ich schätze es so zu sein, wie ich bin und freue mich, dass ich ein Mensch bin, der nie einen Beruf alleine ausführen wird, weil mir dann niemals langweilig wird 🙂 Ich habe mich mit diesem Buch wirklich aus meinen eigenen „Fesseln“ befreit und freue mich auf meine berufliche Zukunft. Ich habe die Gewissheit, dass ich viel erreichen kann und ich habe die Gewissheit, dass ich auch mal fallen werde. Und wenn man sich auf das schlimmste gefasst macht, dann kann man auch weniger ängstlich in die Zukunft blicken.

Seitdem mir das bewusst geworden ist, kann ich wieder ganz ruhig atmen und auch die Angst hat mich nur an wenigen Tagen wieder besucht. Dieses Buch hat mein Denken und mein Leben so sehr verändert. Ich glaube es hat MICH gefunden!

Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend träume hast

Schön, dass du meinen Beitrag bis zum Ende gelesen hast. Wenn du Lust hast, darfst du ihn sehr gerne teilen! Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017 – vielleicht mit diesem Buch als Anregung für eine ganz neue Sichtweise?! 😉

Bis bald,

Eure Ailyn


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Ailyn
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Comments

    • Carina
    • 30. Dezember 2016
    Antworten

    Liebe Ailyn, vielen Dank für diesen tollen Beitrag, du sprichst mir absolut aus der Seele! 2016 war auch für mich das bisher schwerste. Ich war im Sommer/Herbst auch wegen Panik, Angst und Depressionen in der Klinik und nach wie vor macht mir die Zukunft viele Sorgen, weil ich mich einfach nicht festlegen kann und will. Werde mir das Buch auf jeden Fall über deinen Link bestellen. Vielen Dank und ein super gutes neues Jahr für dich!

    1. Ailyn
      Antworten

      Hallo liebe Carina, vielen Dank für deinen netten Kommentar! Ich glaube es ist relativ schwer ohne Ängste und Sorgen in die Zukunft blicken zu können. Das Buch hat mir jedoch wirklich so viel positive Energie geschenkt und ich bin dadurch deutlicher gelassener geworden. Ich hoffe dir wird es auch so viel bringen wie mir. Ganz liebe Grüße <3 Ailyn

    • Vivian
    • 31. Dezember 2016
    Antworten

    Vielen lieben Dank für diesen Beitrag. Jetzt weiß ich, dass ich nicht alleine bin mit solchen Gedanken. Meine berufliche Biografie ist deiner sehr ähnlich. Allerdings habe ich mich mit unzähligen verschiedenen Jobs und einem Wirtschaftsstudium durhgeschlagen, welches ich auch abbrechte. Inzwischen bin ich mitten in der Erziehrinnen-Ausbildung angekommen und bin zufrieden. Dennoch brodelt es in mir noch ein Studium zu absolvieren und mich irgendwann mit etwas Gastronomischen sogar selbstständig zu machen. Ach ja, ich bin 25. 🙂 Liebe Grüße und einen guten Rutsch für dich und alle die das hier zu lesen bekommen.

    1. Ailyn
      Antworten

      Hallo liebe Vivian, vielen Dank für deinen Kommentar 🙂 Ich wünsche dir, dass du genau das Richtige für dich finden wirst! Ganz liebe Grüße, Ailyn

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