Orthorexia Nervosa – Veganer und Essstörungen

vegan essstörung

Heute habe ich mal wieder einen sehr amüsanten Artikel auf der Website von „Die Welt“ gelesen und hatte wahnsinnig den Drang dazu ein Statement zu verfassen. Zuallererst möchte ich betonen, dass ich absolut nichts gegen den Schreibstil der Autorin habe, der Artikel ist gut verfasst und ganz nett zu lesen, lediglich über den Inhalt habe ich mich sehr geärgert. In dem Artikel und auch in einigen anderen Artikeln, die ich neuerdings lese, geht es unter anderem darum, dass viele Veganer scheinbar unter einer neuen Essstörung namens „Orthorexia nervosa“ leiden.

Was Orthorexia Nervosa bedeutet

Die Bedeutung des Begriffs ist ganz einfach, man spricht von einem ständigen Drang sich gesund zu ernähren.

„Um Gottes willen!“ dachte ich mir da erst mal, „das ist ja wirklich äußerst schlimm“! Naja, das war nicht das erste Mal, dass ich von diesem Begriff hörte, des Weiteren habe ich nachgeforscht inwieweit diese „Störung“ als krankhaft bezeichnet wird. Die Existenz dieser „Krankheit“ ist somit sehr umstritten. Ich meine ganz ehrlich Leute, ich finde es bewundernswert, wenn Menschen sich ordentlich Gedanken drüber machen, was und wie viel sie von einem Lebensmittel essen, welche Qualität es besitzt und ob ich es mit gutem Gewissen verzehren kann, egal ob vegan oder nicht vegan! Ich musste schon etwas schmunzeln, als ich tatsächlich gesehen habe, dass ein Autor auf so einer eigentlich renommierten Website, tatsächlich so eine Essstörung mit veganer Ernährung assoziiert und dabei missachtet, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich unter einer Esssucht leiden… Ob Magersucht (übrigens: „Anorexia nervosa“), Übergewicht oder Fettsucht, davon haben wir mehr als genug (leider!) und dann lese ich davon, dass der entsprechende Autor einen Arzt kenne, der in letzter Zeit öfters mal Veganer beraten muss, die an Mangelerscheinungen leiden und somit auch unter der berüchtigten „Orthorexia Nervosa“. Da werde ich Irre, im ernst! Das kann man doch nicht machen? Ich möchte nicht erwähnen, wie viele Menschen jeden Tag beim Arzt sitzen und sich Statine gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel, oder andere verrückte Chemiecocktails, verschreiben lassen. In diesem Bezug sprechen wir dann übrigens nicht mehr davon, dass die typische Zivilisationskost krankmachen könnte, NEEEIN! – warum denn auch, es ist natürlich mal wieder die vegane Ernährung.

Ich möchte hiermit nochmals betonen, dass jeder Mensch sich so ernähren kann und darf, wie er es für richtig hält. Ich möchte auch nicht mit dem erhobenen Finger predigen und aufzeigen, dass jemand der sich nicht vegan ernährt doof ist, oder sonst was, überhaupt nicht, ich war selbst mal leidenschaftliche Fleischesserin (7 Tage die Woche!) und bin es halt eben seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Was ich euch aber sagen möchte ist einfach, dass ich der Meinung bin, dass vegane Ernährung nicht gleich gesunde Ernährung heißt, also VEGAN=GESUND ist einfach ein nicht zu Ende gedachtes Argument.

Vegan bedeutet nicht gleich gesund

Die meisten Menschen, die sich entscheiden vegan zu leben (ca. 80 %) tun dies aus ethischen Gründen. Kurz und knapp gesagt, weil sie nicht möchten, dass ein Tier für sie stirbt, oder vor seinem Tod gequält wird, was ja auch soweit sehr vernünftig ist. Extrem viele dieser Leute ernähren sich dennoch ziemlich getreu der Zivilisationskost. Mit Zivilisationskost meine ich hochverarbeitete Industrienahrung, wie Fertiggerichte & Co. Sie nehmen nicht gerade viele Vitamine auf und haben womöglich noch eine gestörte Darmflora, was ganz schnell in einem B12 Mangel enden kann. Im Magen wird nämlich der sogenannte Intrinsic-Factor gebildet, der mit B12 einen Komplex bildet und so im Dünndarm aufgenommen werden kann. Kommt es aufgrund einer „nicht-artgerechten“ Ernährung zu Problemen im Magen-Darm-Trakt, kann es zu einem Mangel an dem Intrinsic-Factor kommen und somit auch zu einem Vitamin B12 Mangel. Ich befürchte, das ist der Grund, warum viele Veganer, die unter anderem auch mit B12 angereicherte Produkte wie Sojamilch oder ähnliches konsumieren, trotzdem eine Mangelerscheinung bekommen werden. Es wird daher im Voraus geraten Vitamin B12 zu supplementieren und der ein oder andere mag nun an dieser Stelle den Kopf schütteln und sich fragen, wie denn nun so eine Ernährung als vollwertig betrachtet werden kann, wo doch nun ein Vitamin ergänzt werden muss.

Nun, das habe ich mich auch sehr oft gefragt, mir sogar Gedanken darüber gemacht, ob ich nicht wenigstens ab und zu ein Ei essen sollte, damit mein Bedarf an B12 gedeckt ist, obwohl ich eigentlich gar keine Eier oder andere tierische Produkte mehr essen möchte. Ich weiß jedoch für mich, und das lese ich auch immer häufiger, dass B12 durch Mikroorganismen gebildet werden, die sich z.B. auch auf ungewaschenem Gemüse befindet… tja, da wir aber unnatürlicher Weise unser Gemüse heutzutage hochgradig bespritzen, müssen wir unser Gemüse natürlich waschen, außer es stammt aus dem eigenem Garten und wir wissen, ob was drauf kam oder nicht! Somit wäre also vermutlich der B12 Gehalt eigentlich gedeckt, wenn der Mensch viel ungewaschenes Gemüse in rohkostform essen würde, was leider oft nicht möglich ist. Somit schließt sich für mich der Kreis hier wieder und ich weiß einfach, dass ich auf der richtigen Spur bin und so weiter essen kann, wie bisher. Angesichts dessen supplementiere ich momentan nicht und wenn ich damit beginnen werde, dann auch ohne bedenken. Menschen, die z.B. tierische Produkte verzehren zeigen dann oft mit dem Finger und meinen „Mensch, das kann doch gar nicht gesund sein, der nimmt was extra ein!“, aber ganz im Ernst, das macht fast jeder Mensch, durch Multivitaminsäfte und andere angereicherte Lebensmittel, er weiß es nur leider nicht. Abgesehen davon, nehmen auch viele Menschen, die sich „normal“ ernähren, irgendwelche Supplemente ein, nicht unbedingt B12, aber halt was anderes.

Ärzte sind meist gegen eine vegane Ernährung

Nochmal zurück zu den Ärzten, die von „Orthorexia Nervosa“ reden – Orthorexia Nervosa, der Drang sich ständig gesund zu ernähren… Ich möchte definitiv nicht „klugscheißen“, aber ich weiß, dass ein Arzt in seinem Studium nicht wirklich viel über Ernährung lernt, das soll nicht abwertend klingen, sondern ist mein purer ernst, denn Ernährung ist scheinbar gar kein Pflichtkurs im Medizinstudium. Ärzte sind klasse was Anatomie, Diagnose, Notfallmedizin, etc. angeht, ja natürlich die Schulmedizin ist tatsächlich klasse, wenn nicht wie wild Medikamente verabreicht werden würden und auch mal Ursachenforschung auf der Tagesordnung stände, anstatt der allgegenwärtigen Symptomlinderung durch Medikamente. Der aktuelle Stand der Dinge ist einfach, dass die meisten Ärzte wenig von einer veganen Ernährung halten, so wie jeder, der davon noch nicht viel gehört hat, ist ja auch okay, man muss ja nicht alles wissen, aber als Arzt…?

Ich finde es daher schlimm, gerade auf die Fälle aufmerksam zu machen, bei dem der Versuch sich vegan zu ernähren schief gegangen ist. Leider müssen sich da auch Ärzte an die eigene Nase fassen, gerade diejenigen, die lauthals posaunen, es würden vermehrt vegane Patienten mit Mangelerscheinungen auftauchen. Das hängt mit absoluter Sicherheit auch mit der mangelhaften Aufklärung über die tatsächlichen gesundheitsfördernden Eigenschaften der veganen Ernährung zusammen und was bei dieser Ernährungsweise halt so zu beachten ist. So ist nicht gleich jedem Menschen klar, dass eine vegane Ernährung, die zum größten Teil aus Fertigprodukten besteht, nicht gesund ist. Klingt komisch, ist aber so! Bei den Ärzten fängt es an und bei den Medien hört es auf, wenn nur tierische Produkte wie Sauce Hollandaise und Wurstaufschnitt die Werbebanner zieren und auf RTL in den Werbepausen laufen, dann muss natürlich alles andere was nicht tierisch ist ungesund sein, ist doch klar oder? Vermutlich können sich die meisten vegan lebenden Menschen häufige Arztbesuche sparen, denn vegan ist, wenn richtig praktiziert, meist sehr gesund (und tooootal lecker..)! Klar, dass dann eben die „ungesunden“ Veganer öfter mal beim Onkel Doktor läuten.

Worauf ich jetzt eigentlich hinaus wollte, ganz kurz und knapp: Der ganze Orthorexia Nervosa Quatsch in Bezug auf Veganer ist meist totaler Unsinn! 🙂 Lieber etwas eher darauf achten, dass man sich gesund ernährt, als dass man später die Quittung für die jahrelange Fehlernährung erhält. Vergisst niemals den Spruch „Du bist was du isst“ und nein, du bist keine Kiwi, wenn du eine Kiwi isst, aber deine ganze Ernährungsweise spiegelt sich in deiner Gesundheit wieder. Bei dem einen eben mehr und bei dem anderen eben weniger, aber von einer gesunden Ernährung kann man wenigstens profitieren, von einer ungesunden nicht und sogar verlieren.

Man war das viel, aber es musste raus! 🙂 Schönen Tag euch noch.

Fast hätte ich den Artikel vergessen: http://www.welt.de/lifestyle/article119234920/Wenn-Veganismus-zur-Essstoerung-wird.html

Bis bald,

Eure Ailyn

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Comments

    • Annette
    • 9. Januar 2017
    Antworten

    Amen – mehr gibt’s dazu nicht zu sagen 😉

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